Heimeli - und was meinst du dazu?
Eine Geschäftsübergabe betrifft normalerweise viele: Käufer, Verkäufer, Mitarbeitende, Gäste, Lieferanten. Alle haben Wünsche, Erwartungen, vielleicht auch Sorgen. Und doch wird eine Stimme dabei fast immer überhört – die des eigentlichen Mittelpunktes: das Unternehmen selbst.
Wir stecken aktuell mitten in genau so einer Übergabe. Und während wir uns fragen, was wir wollen, was unsere Nachfolger wollen und was für alle Beteiligten das Beste ist, habe ich mir erlaubt, eine etwas ungewöhnliche Perspektive einzunehmen. Eine fantasievolle vielleicht, aber manchmal liegt gerade darin die Wahrheit.
Ich habe mir vorgestellt, ich würde das Heimeli selbst fragen.
Nicht wirklich, natürlich. Ich habe mich nicht auf einen Stein vor das Haus gesetzt und versucht, mit den alten Balken zu sprechen. Aber in Gedanken habe ich dem Heimeli einen Brief geschrieben.
Und noch schöner: Ich habe mir vorgestellt, es würde antworten, ich habe die Antwort erhalten.
Ein Brief vom Heimeli
Lieber René, liebe Gabriella, lieber Peter, lieber Urs
Ich habe immer gewusst, dass dieser Moment irgendwann kommen wird. Häuser wie ich erleben viel: Generationen, Veränderungen, neue Menschen, neue Ideen. Und jeder Wechsel bringt auch ein kleines Zittern mit sich.
Ich erinnere mich gut an frühere Zeiten. An Agnes Engel vor über 70 Jahren und an all die Wechsel, die ich erlebt habe. Und wenn ich ehrlich bin: Es ist immer gut gekommen. Immer. Und doch… ein wenig Sorge bleibt. Das gehört wohl zu meinem Wesen.
Vielleicht war die Sorge dieses Mal etwas grösser.
Ich habe gespürt, wie viel Herzblut ihr beide, René und Gabriella, in mich gelegt habt. Wie ihr mich gepflegt, getragen und mit Leben erfüllt habt. Und ich habe auch gehört, dass sich Interessenten gemeldet haben, Investoren. Da wurde ich still. Ein wenig ängstlich. Nicht, weil ich wusste, dass es schlecht wird. Sondern, weil ich es nicht wusste.
Aber dann habe ich euch zugehört. Ja, ich lausche. Heimlich. Zwischen Balken und Wänden. Und ich habe gehört, wie ihr gesprochen habt, nicht über Zahlen, nicht über Strategien, sondern über mich.
Über meine Zukunft.
Als dann Urs und Peter zum ersten Mal zu mir kamen, für einmal nicht als Gäste, sondern als Menschen, die sich wirklich für mich interessierten, da wurde ich nervös. Meine alten Balken haben geknarrt, vielleicht habt ihr es sogar gehört.
Aber was ich dann wahrgenommen habe, hat mich beruhigt.
Es ging gar nicht wirklich um den Verkauf, also darum, dass ich verkauft werde. Ihr habt nach Menschen gesucht, die mich begleiten. Die mich verstehen. Die wissen, dass ich kein gewöhnliches Haus bin. Dass ich Fürsorge brauche, Aufmerksamkeit, Herz.
Ich erinnere mich besonders an einen Satz, Gabriella. Du hast gesagt, ich sei wie ein Kind, ein Kind, das einem sehr ans Herz gewachsen ist, aber nie ganz selbstständig sein wird auch wenn es schon uralt ist. Und ja, auch mir wurde bewusst, dass ihr eines Tages einfach alt sein werdet, egal wie jung ihr euch heute noch fühlt.
Und wisst ihr was? Es stimmt, ich werde immer jemanden brauchen, der sich um mich kümmert. Und es hat mich froh gemacht, wie ihr das betrachtet, und auch zu spüren, dass ihr die besten Pflegeeltern sucht, die mich weiter durch mein Leben begleiten werden. Was wollte ich mehr? In diesem Moment wusste ich: Ihr gebt mich nicht einfach weiter. Ihr sorgt dafür, dass ich weiterhin getragen werde.
Natürlich war ich skeptisch. Worte sind schön, aber ich habe schon viel gehört in all meinen Jahren. Ich wollte sehen, was folgt.
Und mit jedem eurer Treffen, wurde ich ruhiger. Mit jedem Gespräch leichter. Die Zweifel wurden leiser, das Vertrauen stärker.
Als dann am 19. Februar öffentlich über meine Zukunft gesprochen wurde, habe ich etwas ganz Besonderes gespürt: Ich bin nicht egal. Für so viele nicht. Für die Menschen aus Langwies, aus dem Tal. Für die Bauern rund ums Heimeli. Für die Gäste. Für Arosa. Für all jene, die bei mir Zeit verbracht haben. Sie alle haben sich gefreut über meine neuen "Pflegeeltern".
Ein paar Tage später kam dieser Moment, als Peter und Urs meine Mitarbeitenden kennengelernt haben. Ich habe gespürt, wie sich etwas gefügt hat. Wie sich ein Kreis schliesst und gleichzeitig ein neuer beginnt.
Und gestern… Gestern seid ihr zusammengesessen, nicht als alte und neue Eigentümer. Nicht als Verhandlungspartner. Sondern wie eine Familie.
Und ich habe verstanden:
Es geht hier nicht um Übergabe.
Es geht um Weitergabe.
Um Vertrauen.
Um Verantwortung.
Und um Freundschaft.
Ich habe mich heimlich und unsichtbar an euren Tisch gesetzt. Und ich fühlte mich wie unter Freunden. Ich stand im Mittelpunkt und alles war ganz leicht. Es wurde nicht verhandelt. Es wurde gestaltet. Gemeinsam. Was kann ich mir mehr wünschen?
Ich darf weiterleben. Ich darf mich weiterentwickeln. Ich werde getragen, von Menschen, die mich sehen. Und dafür bin ich dankbar.
Euer Heimeli
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