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Einmal zur Abkühlung und wieder zurück

Es ist heiss im Tal. 37 Grad ist keine wirklich angenehme Arbeitstemperatur. In Arosa sind es angenehme 27 Grad, auch das ist vermutlich schon für manche über der Grenze der Wohlfühltemperatur. Unten ächzen viele unter der Hitze. Ich selber geniesse dieses wunderbare Sommerwetter Ende Juni, auch wenn Schwitzen eben dazugehört. Ja, ich weiss: Klimaerwärmung. Die einen predigen, wir seien selbst schuld, die anderen sagen, es werde noch viel schlimmer werden. Und vermutlich müsste auch ich ein schlechtes Gewissen haben, denn ich habe mit meinem Lebensstil sicherlich ebenfalls dazu beigetragen, dass unsere Umwelt überstrapaziert wurde. Und nein, es ist mir nicht egal.

Aber soll ich mir deshalb jetzt das Leben schwer machen und mir den Sommer verderben lassen? Soll ich jammern? Ich habe es natürlich gut, wir haben das Heimeli als unsere zweite Heimat. Und hier oben kann man der Hitze tatsächlich entfliehen. Wobei: Auch im Heimeli ist es momentan sehr warm, besonders wenn draussen gearbeitet werden muss. Die ganze Woche über waren die Temperaturen hoch, im Tal genauso wie hier oben. Nach einem sehr verschwitzten und heissen Freitag denke ich deshalb: Es wäre schön, wieder einmal ein bisschen zu frieren. Nur ein bisschen, ich friere ja normalerweise gar nicht gerne. Aber jetzt, einfach für eine Weile. Das wäre doch cool, im wahrsten Sinne des Wortes.

Heute steht ein intensiver Heimeli-Arbeitstag auf dem Programm. Um tagsüber nicht in Versuchung zu geraten, über allfällige Hitzeattacken zu klagen, schliesslich finden die meisten Arbeiten die heute auf mich warten, draussen statt, gibt es nur eines: Ich gehe erst Kühlung auftanken. Daher auch der Titel: «Einmal Abkühlung retour».

Kurz nach sechs Uhr geht es los in Richtung Strelapass und einmal rund um die Chüpfenflue. Es ist angenehm kühl, fast schon etwas zu kühl. Aber das ist gut so, denn sobald ich friere, laufe ich automatisch schneller. René dann halt eben auch, schliesslich sind wir gemeinsam unterwegs.

Diese frühen Morgenstunden sind einfach herrlich. Die ersten Gipfel leuchten golden im Morgenlicht, und kurz bevor wir den Strelapass erreichen, blinzelt uns die Sonne entgegen. Traumhaft. Genau die richtige Temperatur zum Geniessen. Vom Strelapass schweift unser Blick über die Davoser Berge. Berggipfel im Morgenlicht – einfach nur schön. Halt! Bevor wir weiterwandern, müssen wir unbedingt diese angenehme Kühle abspeichern, damit wir uns später in Gedanken daran erinnern und uns, allein durchs Drandenken, vielleicht nochmals etwas abkühlen können. Immer wieder werden wir unterwegs von Munggen begrüsst. Vorbei am Strelasee und an den letzten Schneefeldern des vergangenen Winters führt unser Weg über die Lätschüelfurgga und die wunderschöne Hochebene oberhalb des Tritts. Kühle Bergbächlein, spielende Munggen und farbenprächtige Alpenblumen, schöner könnte es kaum sein. Immer wieder wird uns bewusst, wie paradiesisch das Leben hier oben ist. Unglaublich schön. Und wir dürfen hier zuhause sein, Abkühlung tanken und uns einfach an der Natur freuen. Und ja, ich freue mich, ohne dauernd darüber nachzugrübeln, warum die Temperaturen für Ende Juni zu hoch und die Niederschlagsmenge zu tief ist und dies ohne mich ständig zu fragen, wie gross mein Anteil an der «bösen» Klimaerwärmung sein mag. Denn, würde es etwas ändern? Ist jemandem gedient, wenn ich diese Wanderung nicht einfach dankbar geniesse?

Ich glaube nicht. Im Gegenteil: Wenn ich motiviert, erholt und angenehm abgekühlt in den Heimeli-Arbeitstag starten kann, wirkt sich das auch auf das Heimeli, unsere Mitarbeitenden, unsere Gäste, ja, auf alles, positiv aus.

Das letzte Stück des Weges führt über den Tritt durch Felder von Alpenrosen. Gleich die perfekte Gelegenheit, Blumen für die Tischdekoration mitzunehmen. Vorbei an Rindern und schliesslich über die Brücke beim Hauptertällibach gelangen wir zurück zum Ausgangspunkt. Kurz vor halb zehn, nach rund drei Stunden Wanderzeit, sind wir wieder im Heimeli. Es war unglaublich schön, hat richtig gutgetan, und tatsächlich: Es hat abgekühlt.

Und übrigens: Diese traumhafte Wanderung rund um die Chüpfenflue kostet nichts, und bringt unglaublich viel. Und falls du zu den Gästen gehörst, die nicht ganz so wanderfreudig sind: Auch an unserem herrlichen Bergbach kann man sich wunderbar abkühlen. Und bis zum kühlen Bier im Heimeli sind es von dort nicht einmal 100 Meter.

Ist dir das Tal unten zu heiss? Dann komm zu uns und wähle ebenfalls «Einmal Abkühlung retour». Freue dich darüber, dass es solche Möglichkeiten gibt, und versuche für einen Tag nicht an die Klimaerwärmung zu denken, sondern einfach nur zu geniessen.

Und übrigens: Heimeligäste, die sich in unserem Bergbach abkühlen (meist hat es irgendwo ein natürlicher kleiner Pool im Bachbett, in den man sich setzen kann) und davon ein Foto unserem Servicepersonal zeigen, bekommen von uns einen spezial "Rosmarinspritz" (ohne Alkohol) oder die Kinder 3 dl Holunder Bergsprudel offeriert.

P.S. Die richtige Abkühlung kam dann am Abend mit einem Hagelgewitter... herrlich

 

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